Was ist eigentlich Yoga?
Echter Yoga leitet und erhebt das Bewusstsein. Er bewirkt dadurch
die Verbindung des menschlichen mit dem spirituellen
Bewusstsein, das in Beziehung zum universalen Bewusstsein
steht. Das Zustandekommen dieser Verschmelzung oder das
Einssein mit der eigenen göttlich-spirituellen Essenz bewirkt
Erleuchtung.
YOGA UND DIE YOGA-LEHRE
In den letzten Jahrzehnten ist Yoga in unserer westlichen
Gesellschaft ein recht vertrautes Wort geworden. Es ist ein
dankbares Gesprächsthema und fast jeder kennt in seiner
näheren Umgebung jemanden, der Yoga ‘betreibt’. In vielen
Fällen wissen wir nicht viel mehr darüber, als dass es eine aus
dem Osten importierte Übungsform ist, die durch bestimmte Körperhaltungen und Atemübungen einen positiven Einfluss
auf die menschliche Konstitution ausüben kann. Abgesehen
vom Einfluss auf die körperliche und psychische Verfassung
des Menschen, kann man sich fragen, inwiefern die im
Westen üblichen Yoga-Methoden für diejenigen von Nutzen
sein können, die sich nach einem besseren Verständnis des
Wesens des Menschen und seiner Bestimmung sehnen und
die nach geistiger Weisheit suchen. Diese Frage wird
Theosophen öfters gestellt, denn es ist eine wohlbekannte
Tatsache, dass die Theosophische Bewegung von östlichen
Lehrern gegründet wurde. Sie hat es sich zur Aufgabe
gemacht, dem Menschen Einsicht in sein Leben zu verschaffen
und ihm den Weg zur spirituellen Weisheit zu zeigen.
Wenn wir unter ‘Yoga’ die korrekte Bedeutung von
‘Vereinigung’ oder ‘Verbindung’ mit dem Höheren Selbst
verstehen, können wir das Prinzip spiritueller Entwicklung
oder Übung so bezeichnen. Dieses wird von der Theosophie
befürwortet und ist für alle Menschen gleichermaßen gedacht,
welcher Rasse oder welchem Glauben auch immer sie angehören
mögen.
Wir müssen aber auch hinzufügen, dass dies kaum mit
den niedrigeren psycho-physiologischen Yoga-Methoden
übereinstimmt, die im Westen so sehr im Mittelpunkt des
Interesses stehen. Die niedrigere Form von Yoga besteht
prinzipiell hauptsächlich aus psycho-physischen Übungen,
die im Osten entwickelt wurden. Aber der wahre Yoga, wie er
von allen großen spirituellen Weisen und Sehern gelehrt
wird, und den die Theosophie hervorhebt, ist eine wohlgeordnete spirituelle Ausbildung. Ihn auszuüben führt zur
Entdeckung des Inneren Gottes. Das Wissen um diese Art
von Yoga ist im materialistischen Westen nahezu verloren gegangen.
Andeutungsweise fand es sich lediglich bei einzelnen
erleuchteten christlichen Mystikern, und die äußeren Umstände
verhinderten, dass es so öffentlich und ‘wissenschaftlich’
gelehrt werden konnte, wie es die Lehrer im Osten taten.
Aber auch in den westlichen Ländern wurden Methoden entwickelt,
die den intellektuellen und emotionalen Bedürfnissen
entgegenkamen. Der Zustand der Glückseligkeit sollte durch
Liebe, Zuwendung und gute Taten erreicht werden. Die
Selbstdisziplin und die körperlichen Geißelungen der Mönche
hingegen glichen den Methoden mancher sogenannter Hindu-
Yogis, die versuchen, den Willen zu stärken und vielleicht ein
paar übersinnliche Kräfte niedrigerer Ordnung zu erlangen,
indem sie ihren Körper mit Feuer und Messern usw. in mancherlei
Weise quälen. Ihre anstößigen Praktiken werden
manchmal – ganz zu Unrecht – mit dem verwechselt, was man
‘Hatha-Yoga’ nennt.
Der Wandel von Ansichten zu Yoga, in der Geschichte |