Hatha Yoga
Einführung in hartha Yoga Teil 1/4
Hatha Yoga ist eine Form des Yoga, bei der das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist vor allem durch körperliche Übungen (Asanas), durch Atemübungen (Pranayama) und Meditation angestrebt wird. Hatha bedeutet Gewalt oder Kraft; damit soll die Anstrengung unterstrichen werden, die notwendig ist um das eigentliche Ziel zu erreichen. Weiter wird es als Ausdruck der Einheit einander entgegengesetzter Energien (heiß und kalt, männlich und weiblich, positiv und negativ, Sonne und Mond) gedeutet.
Der Begriff Hatha Yoga wurde in der Hatha Yoga Pradipika verwendet, einer Yogaschrift aus dem 15. Jahrhundert. Dort wurde er gebraucht, um den spirituellen Yoga (Raja Yoga) vom mehr körperlichen Yoga (Hatha Yoga) abzugrenzen. Hatha Yoga wird hier als Stufe auf dem Weg zum Raja Yoga bezeichnet.
Hatha Yoga war anfänglich zur Unterstützung anderer Yoga-Formen konzipiert, erfreute sich jedoch rasch großer Beliebtheit und wurde schon bald, als eigenständige Yoga-Form betrachtet. Wenn man heutzutage im westlichen Kulturkreis von Yoga spricht, so meint man meist Hatha Yoga.
Eine im Westen relativ weit verbreitete Form des Hatha Yoga ist das von B.K.S. Iyengar begründete Iyengar Yoga, bei dem Hilfsmittel wie Gurte und Holzklötze eingeführt wurden um die Asanas leichter praktizierbar zu machen.
Einführung in Hartha Yoga
Hatha-Yoga ist eine Lehre, die eine Reihe von körperlichen und geistigen
Kontrollen umschließt', in deren Mittelpunkt jedoch immer die Regulierung
des Atems steht. Das Wort Hatha leitet sich her aus den zwei Wurzeln »ha« (Sonne) und »tha« (Mond), die symbolisch den Atemstrom im rechten
Nasenloch (»Sonnen-Atem«) und den im linken Nasenloch (»Mond-Atem«)
bezeichnen. Yoga ist von dem Stamm »yui« (verbinden) abgeleitet, Hatha-
Yoga bedeutet also die Verbindung der beiden Atemströme. Durch diese
Verbindung soll ein bestimmter, »Samadhi« genannter Zustand herbeigeführt
werden. Samadhi ist kein imaginärer oder mythischer Zustand, obwohl er
durch Mythen erklärt wird, sondern ein realer Zustand, der subjektiv erlebt
und objektiv beobachtet werden kann.
Um eine Stabilisierung des Atems herbeizuführen, wird besonderer Nachdruck
auf die Reinigung des Körpers und die Anwendung verschiedener
körperlicher Techniken gelegt. Das Körpertraining als Ziel an sich heißt
Ghatastha-Yoga. Es wird betont, daß die hierbei -angewandten Methoden
keines der physischen Gesetze des Körpers verletzen; man spricht deshalb
auch vom Physiologischen Yoga. Die Übungen sollen eine im Körper
schlummernde Kraft, »Kundalini«, wecken; daher wird häufig der Begriff
Kundalini-Yoga gebraucht. Alle damit verbundenen Verfahren sind auf das
eine Ziel gerichtet, den Geist zur Ruhe zu bringen. Die hierfür bestimmte
besondere Methode heißt Laya-Yoga. Die vollständige Beherrschung des
Geistes wird als der »Königliche Weg« bezeichnet und RajaYoga genannt.
Alle diese Arten werden häufig unter dem Begriff Tantra-Yoga zusammengefaßt,
da ihre Lehren auf der Tantra-Philosophie beruhen, dach wird »Tantra« in unbestimmter Weise für eine Vielzahl von Systemen gebraucht, hauptsächlich
um sie von anderen nicht-physiologischen Arten des Yoga zu unterscheiden2.
Diese anderen Yoga-Arten zeigen verstandesmäßige und kontemplative
Wege, um den Geist zu beherrschen und zur Ruhe zu bringen, schreiben
aber keinerlei körperliches Übungssystem vor. Die Techniken des Hatha-Yoga werden in den folgenden klassischen Texten
beschrieben: Hatha-Yoga-Pradipika, Cheranda Samhita und Shiva-Samhita.
Dies sind die drei wichtigsten Quellenwerke über den Hatha-Yoga. Das erste
gilt als Startdardwerk und stimmt in vielen Partien mit dem zweiten nahezu überein. Das dritte bringt eine vollständigere Darstellung und gibt in kurzen
Umrissen eine allgemeine Würdigung des Hatha-Yoga, seiner Bedeutung und seiner methaphysischen Grundlage'. Die anderen
Texte setzen voraus, daß der Lernende mit diesen Grundgedanken völlig
vertraut ist. Sie haben den Cha rakter von skizzenhaften Anweisungen, deren Einzelheiten der Lehrer zu
ergänzen hatte. Yoga sollte niemals so etwas wie einen schriftlichen Lehrgang
in spirituellen Dingen darstellen, sondern eine Methode der »Selbst-Bildung« unter unmittelbarer Aufsicht. Es war nie daran gedacht, daß Yoga
ohne die Leitung eines Lehrers ausgeübt werden sollte. Das ist ebenso
unmöglich, wie es unmöglich ist, durch einen Fernlehrgang ein perfekter
Musiker zu werden. Die Texte hatten nur die Aufgabe, als Leitfaden zu
dienen; die notwendigen Einzelheiten in jedem individuellen Falle beizusteuern,
war Sache eines Lehrers. Alle Texte sind in der »geheimnisvollen« oder fachlichen Ausdrucksweise der Tantra-Literatur gehalten, die dem
westlichen Geist so große Schwierigkeiten bietet.
Die Texte stimmen darin überein, daß Hatha-Yoga eine Vorstufe ist und die
endliche Befreiung durch Raja-Yoga erlangt wird.
Hartha Yoga - Eine Einführung Teil 1 |