Yoga
Bhakti Yoga
Bhakti Yoga oder Bhaktimarga (Bhaktiweg) ist im Hinduismus die Bezeichnung für den Weg der liebenden Hingabe an einen personalisierten Gott. Als notwendiges, charakteristisches Element des religiösen Glaubens an einen persönlichen Gott ist die Bhakti in allen religiösen Traditionen zu finden; aber nur im Hinduismus hat die Bhakti ihre eigene, sehr detaillierte Ausformung erfahren.
Wesen der Bhakti
Bhakti ist ein hinduistischer Begriff und wird vor allem in der Bhagavad Gita, dem Lied der mystischen Liebe zu Krishna dargelegt. Daraus könnte der falsche Eindruck entstehen, Bhakti beziehe sich einzig und allein auf Krishna. Dies ist jedoch so nicht zutreffend. Die mystische Liebe zu Krishna bezeichnet man als Krishna-Bhakti, die Liebe zu Rama als Rama- Bhakti usw.
Bhakti als religiöse Haltung sollte liebevoll und natürlich sein, frei von egoistischen Motiven wie Furcht oder Gier. Bhakti ist unrein, wenn sie von einem egoistischen Verlangen motiviert wird (Beispiel: Verlangen nach Heilung, materiellem Reichtum, einem Wunder etc.)
Im achtgliedrigen (hinduistischen) Yoga-Pfad des Patanjali findet man Bhakti als Grundvoraussetzung für spirituelles Wachstum.
Man unterscheidet fünf Haupt-Erscheinungsformen der Liebe zum personalisierten Gott, genannt Rasas (Sanskrit: Wohlgeschmack):
- Shanti-rasa: eine friedvolle, neutrale Beziehung ohne Aktivität
- Dasya-rasa: religiöse Haltung als Gottes Diener, Unterworfener oder (unmündiges) Kind
- Sakya-rasa: Gott als Freund
- Vatsalya-rasa: Man stellt sich Gott als kleines Kind vor und sorgt für dieses göttliche Kind, als wäre man ihm Mutter oder Vater
- Mathurya-rasa: Liebesmystik im engeren Sinne Gott als Geliebter der Seele
Diese Arten der Bhakti können sich selbstverständlich auch auf weibliche Gottheiten beziehen. Die Bhakti wird beschrieben u. a. im 12. Kapitel der Bhagavad Gita; eine detailliertere Beschreibung findet sich in der heiligen Schrift Bhakti-rasa-sindhu-bindhu.
Zitate
So manche kommen frei von Furcht zu mir, frei von Begehrlichkeit und Leidenschaft. Die Herzen halten sie auf mich gerichtet, und sind gereinigt durch der Liebe Feuer, und gehn beim Tode in mein Dasein ein. (Krishna in der Bhagavad Gita, 4:10)
Wer keinem Wesen Böses will und frei von Haß und Selbstsucht und barmherzig ist ... sich gänzlich mir ergibt ... der ist mir lieb. (Krishna in der Bhagavad Gita, 12:13-14)
Im Devibhagavatam, einem wichtigen Text zu Ehren der Göttin, schließt Bhakti die Liebe zum Nächsten ein und sagt über ihren Bhakta, ihren Verehrer: Er sieht alle individuellen Seelen (jivan) in mir und liebt mich, wie er sich selbst liebt. Er macht keinen Unterschied zwischen den individuellen Seelen und mir, weil er denselben Geist in allem manifestiert sieht.(Kap.27)
|